Seit 1924 befindet sich das GStA PK in einem repräsentativen Archiv-Zweckgebäude in Dahlem. (Foto: Joachim Kirchmair)

Wie alle Archive wurzelt das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) in archivischen Traditionen, die vom sekreten Aufbewahren von Herrschaftswissen zur modernen Auffassung von Archiven als „Häusern der Geschichte“ führten, die ihre Schätze der historisch interessierten Öffentlichkeit in vielfältiger Weise anbieten.

 

Genau genommen, sind die Anfänge des GStA PK in der Kanzlei der askanischen Markgrafen zu suchen. Sie reichen damit ins 13. Jahrhundert zurück (erste urkundliche Erwähnung: Stendal, 1282). Mit dem Ausbau des Schlosses auf der Spree-Insel Cölln und der Entwicklung Berlins zur Residenz bekam das Archiv dann dort - im „Gewelbe aufm grünen Hut“  einen ständigen Aufbewahrungsort und durch Archivarius Christoph Schönbeck um 1643 eine pertinenzorientierte Ordnung seiner Reposituren, die lange gültig blieb. Den ehrenden Titel "Geheimes Staatsarchiv" erhielt es 1803. Diese Behördenfirma betonte nicht nur den überkommenen „geheimen“, sondern auch den modernen (gesamt-) staatlichen, also zentralarchivischen Charakter der Institution, der noch heute ihren Rang unter den großen europäischen Archiven bezeichnet.

 

Einen Bestandsverlust bedeutete die Ausgliederung der seit 1686 von "Kabinettsarchivaren" betreuten Kgl. Haus und Hofarchivalien 1848/51; einen großen Gewinn dagegen die Vereinigung mit dem Geheimen Ministerialarchiv im Hohen Haus in der Klosterstraße 1874. Sieben Jahre später sorgte die Einführung des Provenienzprinzips dafür, dass die Bestandsordnung (haupt-) abteilungsweise auf eine moderne archivische Basis gestellt wurde. Dabei traten auch die Konturen der brandenburgischen Provinzialüberlieferungen klar hervor, die aufgrund ihrer oft substantiellen Verflechtung mit den aus ihnen entwickelten brandenburgpreußischen Zentralüberlieferungen mit diesen zusammen eine prove-nienzgerechte, organisch allmählich gewachsene, also historisch begründete Archiveinheit bildeten. Preußens Geheimes Staatsarchiv erwies sich so vor dem I. Weltkrieg als staatliches Hauptarchiv, das seine Zuständigkeit für dessen Zentralinstanzen infolge historischer Entwicklungen mit der für bestimmte Provinzialüberlieferungen verband.

 

Sechs Jahre nach der Niederlage von 1918 bezog das Archiv 1924 sein heutiges Dienstgebäude, den von Eduard Fürstenau errichteten repräsentativen Neubau in Berlin-Dahlem. Während des II. Weltkriegs war 1943/44 der größte Teil seiner Bestände in Bergwerke bei Staßfurt und Schönebeck ausgelagert, von wo sie 1949/50 nach Merseburg gelangten. Nach Kriegsende wurde die Dahlemer Dienststelle schnell wieder für die Rettung von Akten sowohl staatlicher Behörden als auch nichtstaatlicher Einrichtungen aktiv und 1946 zum Hauptarchiv für Behördenakten bestimmt (ab 1950: Berliner Hauptarchiv, in sukzessiver Abgrenzung zum Landesarchiv Berlin). Seit 1963 gehört das Dahlemer Haus - wieder unter dem Namen Geheimes Staatsarchiv - zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Alsbald erfolgte die Abgabe der nach 1945 eingesammelten Reichsprovenienzen an das Bundesarchiv. Andererseits erhielt das GStA PK 1978 auch die (zuvor im Göttinger Archivlager verwahrten) Bestände des ehemaligen Staatsarchivs Königsberg anvertraut und mit der Verantwortung für dieses einzigartige kulturelle Erbe seine ihm mittlerweile erwachsene Zuständigkeit für Überlieferungen aus dem Bereich der ehemals preußischen Ostprovinzen sanktioniert. Unterdessen wurden die in Merseburg gelagerten Archivalien zunächst vom Deutschen Zentralarchiv Historische Abt. II (seit 1976: Zentrales Staatsarchiv, Dienststelle Merseburg) betreut. Nach der deutschen Wiedervereinigung gelangten diese Bestände 1993/94 nach Berlin zurück, wo sie nun wieder die Basis der Überlieferung des Archivs bilden.

 

Theoretisch und praktisch ist das GStA PK aufgrund seiner historischen Entwicklung und in einer seit der Beseitigung Preußens 1947 gewandelten Archivlandschaft heute zunächst für die Überlieferungen der zentralen Instanzen des ehemaligen Brandenburg-Preußens zuständig, darüber hinaus auch für bestimmte Provinzialüberlieferungen und nichtstaatliches Schriftgut. Es verwahrt gegenwärtig ca. 35.000 laufende m Archivalien sowie eine Dienstbibliothek mit etwa 185.000 Bänden und 200 currenten Zeitungen bzw. Zeitschriften.

 

Augenscheinlich entspricht der Überlieferungs-Fülle des Archivs die Intensität seiner Benutzung. Dies stellt an das Archivpersonal hohe Anforderungen, für deren Erfüllung sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 2005 ein hausspezifisches Leitbild „GStA PK: Selbstverständnis – Herausforderungen“ erarbeitet haben. Alle Archivarbeiten müssen nach wie vor von der derzeitigen Magazinsituation ausgehen, die den Hauptteil der Archivalien, ca. 26.000 lfm, in einem provisorisch eingerichteten Gebäude im Berliner Westhafen vorhält. Dort setzt die Bestandserhaltung Schwerpunkte auf magazintechnische Verbesserungen, kritisch geprüfte Massenentsäuerungsverfahren und einen Verbund von analogen und digitalen Reproduktionsformen. Die archivische Erschließungsroutine hat sich deutlich von den Ordnungsarbeiten auf die Verbesserung der Verzeichnungsintensität verlagert. Den Rahmen dafür bildet seit 2000 eine vielschichtige Archiv-Tektonik, die neben ihrer gedruckten Veröffentlichung auch das Kernstück der Website des Hauses bildet. Flankierend hat das GStA PK teils in eigener Initiative, teils in Zusammenarbeit mit anderen Archiven mittlerweile eine Reihe von sachthematischen Inventaren vorgelegt, die seine Überlieferungen mit denen anderer Archive benutzerorientiert verknüpft und damit auch das Föderale Programm der SPK bedient. In den archiveigenen Veröffentlichungsreihen werden wichtige Editionen vorangetrieben; so z. B. die Regesten des Königsberger Herzoglichen Briefarchivs, die Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen oder die Schriften des Militärreformers Gerhard von Scharnhorst. Wissenschaftskontakte pflegt das Archiv durch eigene Auswertungsarbeiten, Kooperation mit Historischen Kommissionen und die „Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte“, die seit 2006 (wie bereits seit länge­rem die Zeitschrift „Preußenland“) auch im Auftrag des GStA PK jährlich mehrmals erscheinen.

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

 

www.gsta.spk-berlin.de

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